Riester-Rente: 9 Fragen und Antworten

Aktuell, Altersvorsorge, Riester-Rente

Private Altersvorsorge ist alternativlos. Dieser Tatsache ist sich auch der Großteil der Deutschen bewusst. Wie diese private Altersvorsorge hingegen aussieht, ist für viele noch völlig unklar. Schuld daran sind intransparente und komplizierte Produkte, wie die Riester-Rente. Sie ist es auch, die erneut und massiv in der Kritik steht. Zwischen Befürwortern und Kritikern befindet sich der Verbraucher jedoch meist auf verlorenem Posten.

Riester-Rente: 9 Fragen und Antworten
In der aktuellen Riester-Diskussion bleiben Fragen von Verbrauchern meist unbeantwortet.

Fragen der Verbraucher bleiben unbeantwortet

Wenn sich zwei streiten, leidet ein Dritter. Dieser Dritte steht stellvertretend für unzählige Verbraucher. Sie nehmen, im Streit um die Riester-Rente, erneut die Position des Beobachters ein.

Bereits jetzt ist jedoch klar, dass die Zahl der Befürchworter deutlich geschrumpft ist. Neben Walter Riester, Namensgeber und Ex-Arbeitsminister, stehen insbesondere Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe hinter der Riester-Rente. Sie fürchten um hohe Provisionen, die kapitalbildende Versicherungen ihnen versprechen.

Demgegenüber häufen sich die kritischen Stimmen. Sie weisen insbesondere auf hohe Abschluss- und Verwaltungskosten hin, die zu Lasten der Verbraucher gingen. Dieser wird mit der Frage, wie mit laufenden und neuen Verträgen umzugehen ist, weitestgehend allein gelassen.

9 Fragen und Antworten

Ist die Riester-Rente nun gut oder schlecht?
Ja und nein – sie ist leider nicht die Volksrente, als die sie einst angetreten ist. Einige Personengruppen profitieren vom Abschluss, für andere wiederum bestehen weitaus bessere Alternativen. Es gilt daher zu klären, ob man profitiert – oder welche Alternativen sich bieten.

Wann kann sich ein Abschluss lohnen?
Bei Familien – sie erhalten sogenannte Kinderzulagen. Diese können sich auf bis zu 300,- EUR pro Kind belaufen. Zwei Kinder, die nach 2008 geboren sind, stellen eine gute Basis für eine Riester-Rente dar.

Wer sollte von einem Abschluss absehen?
Geringverdiener, die im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen sein werden – in diesem Fall ist ein Vertrag schädlich. Den heutigen Beiträgen, die Geringverdiener meist deutlich spüren, steht zum Rentenbeginn meist kein Gegenwert gegenüber. Grund hierfür ist die sogenannte Anrechnung. Sie sieht vor, dass eine Riester-Rente auf den Grundsicherungsanspruch angerechnet wird. Damit wird das, was ein Vertrag auszahlt, von der Grundsicherung abgezogen.

Wie sollten sich Berufseinsteiger, Normal- und Besserverdiener verhalten?
Der Einzelfall entscheidet – von ihm hängt in großem Maße ab, welche Strategie sich anbietet. Als solches sollte die Altersvorsorge nämlich betrachtet werden. Sie ist eine Strategie, die sich über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte erstreckt. Anstatt ein Produkt abzuschließen, gilt es eine solche Strategie zu erarbeiten.

Wie sehen Alternativen aus?
Sie sind vielfältig – hilfreich ist es, hinter die Kulissen eines Altersvorsorgeprodukts zu blicken. Nimmt man beispielsweise die Riester-Rente, so stellt sich nicht mehr und nicht weniger als ein komplizierter Sparvertrag dar. Er lebt von Beiträgen, woraus sich im besten Fall ein immer größer werdendes Guthaben auftürmt. Dieses Guthaben stellt schlussendlich die Basis dar, um eine Rente auszuzahlen. Die Besonderheit sind, neben der Zulage, steuerlicher Natur. Ob diese Faktoren funktionieren, ist individuell zu klären. Funktionieren sie nicht, sollte ein Sparvertrag die Faktoren Zulage und Steuern genutzt werden. Auch hier kann zwischen konservativen und wertpapierbasierten Lösungen gewählt werden. Die einfachste Lösung stellen Tages- und Festgeld dar.

Erwirtschaften Versicherungen nicht Überschüsse?
Mitunter – aber nicht zwingend. Überschüsse sind ein Spiegelbild des Zinsniveaus. Das gegenwärtige Niedrigzinsniveau lässt Überschüsse zunehmend unwahrscheinlicher werden. Vielmehr klagen zahlreiche Versicherungen sogar über den aktuellen Höchstrechnungszins (auch: Garantiezins). Stellt dieser bereits ein anspruchsvolle Hürde dar, sollten in Aussicht gestellte Überschüsse kritisch hinterfragt werden.

Genügt nicht der Garantiezins?
Nein – dies liegt an der Natur des Garantiezins. Mit 1,25 % liegt er gegenwärtig auf augenscheinlich attraktivem Niveau. Der Garantiezins ist jedoch ein Vor-Kosten-Zins. Um Abschluss- und Verwaltungskosten gemindert, bleibt vielfach nur eine Verzinsung von 0,3 % bis 0,6 %. Diese Verzinsung ist vor dem Hintergrund der Laufzeit zu sehen, die sich bei Altersvorsorgeprodukten teils über Jahrzehnte erstreckt.

Wie geht man mit bestehenden Verträgen um?
Prüfen lassen – lautet die Devise. Altverträge können gut oder schlecht, eine Riester-Rente passend oder unpassend sein. Im Fokus sollte eine individuelle und optimale Strategie stehen.

Wer prüft bestehende Verträge und erstellt eine individuelle Strategie?
Mitarbeiter von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben sind für die Beantwortung dieser Fragen meist unzureichend ausgebildet. Weiterhin sind sie einem Konflikt aus Abschlussprovisionen und Kundeninteressen ausgesetzt. Es empfiehlt sich daher unabhängigen Rat einer Verbraucherzentrale, eines Honorarberaters oder eines sogenannten Certified Financial Planners einzuholen.

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