Riester-Rente: Kündigung oder Beitragsfreistellung

Aktuell, Altersvorsorge, Riester-Rente

Die Riester-Rente wird heiß diskutiert. Viele Politiker deklarieren sie bereits als gescheitert und fordern ihre Abschaffung. Verbraucher, die auf die Riester-Rente zur privaten Altersvorsorge gesetzt haben, sind verunsichert. Doch nur selten empfiehlt es sich, bereits laufende Verträge übereilt zu kündigen.

Riester-Rente: Kündigung oder Beitragsfreistellung
Viele Verbraucher kündigen voreilig bereits laufende Verträge. Dieser Schritt will jedoch wohl überlegt sein. Im Zweifelsfall empfiehlt sich unabhängiger Rat.

Finanzbranche warnt vor Deutschlandrente

Die Riester-Rente, in ihrer jetzigen Form, gilt als gescheitert. Verbraucher, die keine Kinderzulagen für sich beanspruchen können, müssen trotz massiv umworbener staatlicher Geschenke und Steuervorteile eine nahezu biblische Lebenserwartung mitbringen, um von dieser Vertragsform zu profitieren.

Diese Tatsache rückt mehr und mehr in den öffentlichen Fokus. Die Politik denkt daher unlängst über die Abschaffung der Riester-Rente nach. Als Alternative wird die sogenannte Deutschlandrente gehandelt. Sie soll der Deutschen Rentenversicherung angegliedert werden und die private Altersvorsorge in die öffentliche Hand legen. Damit würde die Finanzwirtschaft einen schwergewichtigen Mitbewerber zur Seite gestellt bekommen. Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe fürchten bereits um den Verlust von Provisionen. Die zählen bei Riester-, Rürup-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge zu den höchsten der Branche. Erwartungsgemäß spricht sich die Privatwirtschaft gegen die Pläne zur Deutschlandrente aus und fordert staatliches Engagement zu Gunsten der bestehenden Altersvorsorgeprodukte.

Verbrauchern, die bereits laufende Altersvorsorgeprodukte besitzen, dürfte die Forderung der Branche entgegenkommen. Allein über 16 Millionen Verbraucher setzen auf die Riester-Rente. Diese erwarten, im Falle einer Überarbeitung, schlagartig zu profitieren.

Kündigung oder Beitragsfreistellung

Die gegenwärtigen Diskussionen lassen jedoch eine wichtige Frage unbeantwortet, nämlich wie Verbraucher mit laufenden Verträgen umgehen sollten. Schließlich verbirgt sich hinter den Plänen von Politik und Finanzwirtschaft bislang nicht viel mehr als graue Theorie. Welcher momentane Standpunkt in die künftige Umsetzung mündet, bleibt bis auf Weiteres Spekulation.

Zu wenig für Verbraucher, deren Altersvorsorge von Tag zu Tag an Wichtigkeit gewinnt. Sie benötigen bereits heute eine Strategie, um die eigene private Vorsorge optimal zu regeln.

Doch eine solche Strategie basiert heute mehr denn je auf Hoffnung und Vermutung. Schließlich kann die Einführung einer Deutschlandrente oder die Stärkung der Riester-Rente zum berühmten Zünglein an der Waage werden. Eine konkrete Altersvorsorge-Strategie muss daher individuell angepasst werden:

Für mich lohnt sich schon heute die Riester-Rente
Kinder sind der Schlüssel, um langfristig von einer Riester-Rente zu profitieren. Wer zwei (nach 2007 geboren) bzw. drei (vor 2008 geboren) Kinder hat, gehört vielfach zu den Profiteuren der Riester-Rente. In diesem Fall lohnt es sich miest, die Verträge trotz momentaner Diskussionen fortzuführen und zu besparen.

Ich profitiere derzeit nicht von der Riester-Rente
Gering-, Normal- und sogar Besserverdiener müssen jedoch regelmäßig eine deutlich überdurchschnittliche Lebenserwartung mitbringen, um von ihren Verträgen zu profitieren. Trifft diese Tatsache zu, sollte ernsthaft über eine Beitragsfreistellung nachgedacht werden. Im Falle einer Überarbeitung der Riester-Rente sollte dann über eine Wiederaufnahme der Besparung nachgedacht werden.

Ich besitze bereits eine Riester-Rente und stehe kurz vor dem Renteneintritt
Ein unprofitables Altersvorsorgeprodukt sollte nicht mit in Rente genommen werden. Im Falle der Riester-Rente sollte im Vorfeld kalkuliert werden, ob sich die Verrentung der Verträge bzw. die Kündigung anbietet. Diese Berechnung sollte zwingen durch unabhängige Berater oder Steuerberater erfolgen.

Wie sorge ich heute für mein Alter vor
Wer vor dem Aufbau einer privaten Altersvorsorge steht oder laufende Verträge kritisch hinterfragen möchte, sollte sich unabhängige Beratung einholen. Eine Altersvorsorgestrategie sollte individuell zum Verbraucher passen und auf ihn abgestimmt werden. Schließlich muss sich eine solche Strategie im Regelfall über Jahrzehnte hinweg als gut erweisen. Unabhängige Beratungen zu diesem Themenfeld bieten beispielsweise die Verbraucherzentralen.

Verbraucher sollte sich also die Frage stellen, in welcher Situation sie sich befinden. Von den individuellen Rahmenbedingungen hängt in erheblichem Maße ab, wie mit laufenden Verträgen bzw. Neuabschlüssen umzugehen ist. In vielen Fällen empfiehlt es sich daher, unabhängigen Rat einzuholen.

Eine gute Beratung muss sowohl die heutige steuerliche Situation berücksichtigen, jedoch auch eine Vorausschau ins Rentenalter wagen. Zwischen diesen beiden Facetten beantwortet sich die Frage, ob ein Vertrag funktioniert oder gar einen wirtschaftlichen Schaden bedeutet. Die alleinige Darstellung heutiger Steuervorteile oder Zulagen hinkt, da diesen Faktoren eine nicht unerhebliche nachgelagerte Besteuerung gegenübersteht und schlussendlich zählt, wie viel Netto-Rente dem heutigen Netto-Beitrag gegenübersteht.

Schreiben Sie einen Kommentar