Riester-Rente: Mehr als 500 EUR Zulage nötig

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Ende 2015 stand die Riester-Rente erneut in der Kritik. Einzelne Politiker forderten sogar ihre Abschaffung. Vom anfänglichen Aktionismus der Politik ist heute nur noch wenig übrig. Lediglich die Anhebung der Zulage von aktuell 154,- EUR auf künftig 165,- EUR wird nunmehr noch in Aussicht gestellt. Doch reicht dies aus, um die Riester-Rente für die breite Bevölkerung wieder attraktiv zu machen?

Riester-Rente: Mehr als 500 EUR Zulage nötig
11,- EUR mehr für Riester-Sparer sind lediglich der vielzitierte Tropfen auf den heißen Stein. Sparer müssen weiterhin hohe Endalter erreichen.

11,- EUR mehr für Riester-Sparer

Als man 2002 die Riester-Rente einführte, hoffte die Politik, dem Schreckgespenst namens Altersarmut ein wenig seinen Schrecken zu nehmen. Zwischenzeitlich entschieden sich mehr als 16 Millionen Deutsche für die staatlich unterstützte private Altersvorsorge. Der Reiz: Zusätzlich zu der eigenen Einzahlung gewährt der Staat Steuervorteile sowie eine Zulage. Letztere beläuft sich aktuell auf maximal 154,- EUR pro erwachsenem Einzahler, zusätzlich können bis zu 300,- EUR pro Kind fließen.

Doch die heile Riester-Welt bekam schnell tiefe Risse. Bereits kurz nach ihrer Einführung wurde Kritik laut, hohe Kosten und niedrige und zudem steuerpflichtige Renten machten den Großteil der Sparer zu Verlierern.

Ende 2015 stiegen die Zweifel an der Riester-Rente auf ein Allzeithoch. Mit Horst Seehofer forderten nun auch gewichtige politische Stimmen die Abschaffung des umstrittenen Altersvorsorgeprodukts. Forderungen von Kritikern und Lösungsansätze von Riester-Befürwortern überschlugen sich zu dieser Zeit. Heute, ein Jahr später, ist vom ursprünglichen Aktionismus nur noch wenig übrig geblieben. In den Fokus ist mehr und mehr die betriebliche Altersvorsorge gerückt, die dank staatlicher Eingriffe einen zweiten Frühling erleben soll.

Doch auch die Riester-Rente geht nicht gänzlich leer aus. Ab 2018 soll die Riester-Grundzulage, die derzeit bei exakt 154,- EUR rangiert, auf 165,- EUR angehoben werden. Ein Zuwachs von lediglich 11,- EUR, der den Erfolg der Riester-Rente sichern soll.

Nur Greise profitieren von der Riester-Rente

Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe haben gute Argumente für den Verkauf einer Riester-Rente in der Hinterhand. Steuervorteile und Zulagen unterstützen Finanzbranche und Verbraucher gleichermaßen. Nur wenigen ist bewusst, dass die heutigen Vorteile nur eine wenig aussagekräfte Momentaufnahme im Gesamtbild eines Riester-Vertrags sind.

Sie stehen zum Rentenbeginn der nachgelagerten Besteuerung und der Fragestellung gegebenüber, wie viel für das angesparte Kapital künftig Monat für Monat an den Sparer ausgezahlt wird. Was in Expertenkreisen als Rentenfaktor bezeichnet wird, stellt für Verbraucher die Geschwindigkeit dar, in der er oder sie das Vertragsguthaben ausgezahlt bekommt. Je niedriger dieser Faktor, desto höher die nötige Lebenserwartung.

Selbst leistungsstarke Verträge verlangen Sparern heute unter Berücksichtigung einer durchschnittlich niedrigen Verzinsung eine Lebenserwartung von mehr als 98 Jahren ab. Somit darf der Sinn der Riester-Rente auch trotz Zulagen und Steuervorteilen erheblich in Zweifel gezogen werden. Daran ändert auch die geplante Zulagenerhöhung nur wenig. 11,- EUR jährlich verschieben das zu erreichende Endalter im Regelfall lediglich um wenige Monate zu Gunsten des Verbrauchers.

Möchten potenzielle Riester-Kunden ihr angespartes Kapital mit 1,25 % Zinsen innerhalb einer realistischen Lebensspanne anlegen, wäre eine Zulage von 528,94 EUR nötig. Mit einer jährlichen Zulage dieser Größenordnung würde das zu erreichende Endalter schlagartig auf 87 Jahre sinken und damit der statistischen Lebenserwartung entsprechen. Tragischerweise weit entfernt von der heutigen Realität und der künftigen Planung von Seiten der Politik. Chance auf derartig hohe Zulagenzahlung haben damit weiterhin lediglich Verbraucher, die mindestens zwei Kinder für ihre Riester-Rente beanspruchen können. Sparer, die dieses Kriterium nicht in die Waagschale legen können, sind vielfach mit Alternativlösungen zur privaten Altersvorsorge weitaus besser beraten.

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