So funktioniert die Riester-Rente

Aktuell, Altersvorsorge, Riester-Rente

 

„Denn eins ist sicher: Die Rente“ – für diese These erntete Norbert Blüm (CDU), damaliger Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, bereits 1986 massive Skepsis. Inzwischen weiß man eines mit Sicherheit: Die Rente ist für viele zu niedrig. Lücken sollten mit Hilfe der privaten Altersvorsorge geschlossen werden. Seit 2002 wird dies von staatlicher Seite unterstützt und mit Zulagen und Steuerrückerstattungen honoriert. Das beliebteste Altersvorsorgeprodukt ist unumstritten die Riester-Rente. Doch wie die Riester-Rente genau funktioniert, ist vielen Verbrauchern noch nicht bekannt.

Wer wird gefördert?
Welche Zulagen gibt es?
Welche Beiträge müssen gezahlt werden?
In welchen Varianten gibt es die Riester-Rente?
Wie komme ich an die Steuervorteile?
Welche Besonderheiten sollte man sonst noch wissen?
Für wen lohnt sich die Riester-Rente?
So funktioniert die Riester-Rente

Wer wird gefördert?

Von den staatlichen Zulagen profitiert, wer zu den unmittelbar bzw. mittelbar zulagenberechtigten Personen gehört:

unmittelbar zulagenberechtigte Personen
Arbeitnehmer (rentenversicherungspflichtig)
Selbstständige (rentenversicherungspflichtig)
Landwirte (pflichtversichert - ALG)
Künstler (pflichtversichert - KSK)
Beamte
Richter
geringfügig Beschäftigte (mit Zuzahlung an die gesetzliche Rentenversicherung)
Wehr- und Zivildienstleistende
vollständig Erwerbsgeminderte
Dienstunfähige
Arbeitslosengeld I-Empfänger
Arbeitslosengeld II-Empfänger
mittelbar zulagenberechtigte Personen
Ehepartner von unmittelbar Zulagenberechtigten Personen
Lebenspartner von unmittelbar Zulagenberechtigten Personen

Demnach sind folgende Personen nicht förderfähig:

nicht zulagenberechtigte Personen
Selbstständige (nicht rentenversicherungspflichtig)
Pflichtversicherte in berufsständischen Versorgungswerken
geringfügig Beschäftigte (ohne Zuzahlung an die gesetzliche Rentenversicherung)
teilweise Erwerbsgeminderte
Rentner und Pensionäre

Welche Zulagen gibt es?

Unmittelbar bzw. mittelbar zulagenberechtigte Personen bekommen folgende Zulagen:

 

Zulagenhöhe pro Jahr

zulagenberechtigte Person

154,- EUR

Bonus für zulagenberichtigte Personen unter 25 Jahren (einmalig)

200,- EUR

Kinderzulage (bis 2008 geborene Kinder)

185,- EUR

Kinderzulage (ab 2008 geborene Kinder)

300,- EUR

Welche Beiträge müssen gezahlt werden?

Eine Riester-Rente kann bereits ab 60,- EUR pro Jahr (Eheleute/Lebenspartner: 120,- EUR) bespart werden. Ab diesem Beitrag besteht für unmittelbar bzw. mittelbar zulagenberechtigte Personen bereits ein Zulagenanspruch.

Um sämtliche Zulagen in voller Höhe beanspruchen zu können, müssen 4 % des Vorjahresbruttoeinkommens in den Vertrag fließen. Dies sind bei einem Vorjahresbruttoeinkommen von 30.000,- EUR exakt 1.200,- EUR pro Jahr. Diese muss die zulagenberechtigte Person jedoch nicht allein aufbringen. Von den ermittelten 1.200,- EUR dürfen sämtliche Zulagen abgezogen werden, für die ein Anspruch besteht. Nach Abzug von 154,- EUR blieben demnach 1.046,- EUR übrig, die aus eigener Tasche zu zahlen sind. Wer die im Raum stehenden 4 % des Vorjahresbruttoeinkommens nicht erreicht, bekommt die Zulage entsprechend anteilig.

Unabhängig vom Vorjahresbruttoeinkommen erhält jede zulagenberechtigte Person die volle Zulage, wenn sie die Riester-Rente mit 2.100,- EUR pro Jahr (Eheleute/Lebenspartner: 2.160,- EUR) bespart. Auch von diesem Maximal-Beitrag dürfen sämtliche Zulagen abgezogen werden, für die ein Anspruch besteht.

In welchen Varianten gibt es die Riester-Rente?

Der Staat gewährt die Zulagen ausschließlich für zertifizierte Riester-Produkte. Die begehrte Zertifizierung erhalten bislang Banksparpläne, festverzinste Rentenversicherungen, fondsgebundene Rentenversicherungen und Fondssparpläne (Demnächst: ein ausführlichen Beitrag zu Riester-Baufinanzierungen und Wohnriester).

Banksparpläne haben den Vorteil, dass sie keinerlei Abschlusskosten und nur sehr geringe Verwaltungskosten verursachen. Dafür liegt die Verzinsung jedoch auf dem Niveau eines Sparbuchs. Der Banksparplan kann insbesondere für Verbraucher interessant sein, die sich erst kurz vor dem Rentenbeginn entscheiden, eine Riester-Rente abzuschließen. Zum Rentenbeginn müssen jedoch sämtliche Ersparnisse an eine Versicherung übertragen werden, um die vorausgesetzte Rente auszahlen zu können, dies kann der Banksparplan nämlich nicht.

Festverzinste Rentenversicherungen zählen zu den verbreitetsten und bekanntesten Riester-Produkten. Nahezu jeder Versicherungskonzern hat mindestens eine Riester-Rente im Programm. Die vergleichsweise hohen Abschluss- und Verwaltungskosten sollten Verbraucher jedoch veranlassen, genau zu vergleichen. Vorteil dieser Variante ist, dass der Verbraucher bereits zum Vertragsabschluss über die Höhe der späteren Altersrente informiert wird.

Fondsgebundene Rentenversicherungen legen sämtliche Beiträge und Zulagen anteilig bzw. vollständig in Wertpapieren an. Da zu den Kosten der festverzinsten Rentenversicherung nun die zusätzlichen Kosten der Wertpapiere kommen, gehört diese Variante zu den kostspieligsten Riester-Produkten. Neben dieser Tatsache sollten Verbraucher bedenken, dass fondsgebundene Rentenversicherungen in der Regel nur geringe Garantierenten ausweisen. Sämtliche Zinsen und Zinseszinsen, die bei einer festverzinsten Rentenversicherung bereits garantiert sind, müssen bei der fondsgebundenen Rentenversicherung durch die ausgewählten Wertpapiere erwirtschaftet werden. Als kleiner Vorteil darf hingegen die sogenannte Nominalwert-Garantie betrachtet werden. Diese besagt, dass sämtliche geflossenen Beiträge und Zulagen zum Rentenbeginn, selbst wenn diese ganz oder teilweise verspekuliert wurden, durch die Versicherungsgesellschaft zu garantieren sind. Verbraucher sollten jedoch nicht unterschätzen, dass die nicht garantierten Zinsen und Zinseszinsen bereits einen erheblichen Verlust bedeuten können. Wer den Erfolg einer fondsgebundenen Rentenversicherung nicht selbst in die Hand nehmen möchte, sondern dem Zufall überlässt, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein.

Fondssparpläne verzichten hingegen auf die teure Kostenstruktur einer Rentenversicherung. Sie sind am ehesten mit einer direkten Anlage in ausgewählte Wertpapiere zu vergleichen. Doch was kostenseitig ein Argument für Fondssparpläne und gegen fondsgebundene Rentenversicherung ist, hat auch einen Haken. Auch Fondssparpläne müssen geflossene Beiträge und Zulagen zum Rentenbeginn garantieren. Auch Anbieter von Fondssparplänen müssen sich gegen die Risiken von Verlusten absichern. Die Kosten für eine derartige Absicherung werden meist über spezielle Fonds mit erhöhten Verwaltungskosten abgefangen. Verbraucher, die sich für einen Fondssparplan entscheiden, sollten vor dem Abschluss genau vergleichen. Ein besonderes Augenmerk sollte den wählbaren Fonds gewidmet werden.

Wie komme ich an die Steuervorteile?

Die Beiträge zur Riester-Rente sowie die gewährten Zulagen sollten in der Steuererklärung als Sonderausgaben abgesetzt werden. Bei der sogenannten Günstigerprüfung wird für den Verbraucher errechnet, ob er sich mit der Zulagenbeantragung oder der Auszahlung einer Steuerrückerstattung besser stellt.

Rahmendaten: Männlich; 37 Jahre; ledig; keine Kinder; 32.000,- Brutto-Jahreseinkommen

Riester-Rente: Monatlicher Beitrag 93,83 EUR; Zulagenanspruch 154,- EUR

 

Günstigerprüfung - Beispiel 1

Zulage

154,00 EUR

Steuerrückerstattung

401,32 EUR

Ergebnis Günstigerprüfung

Steuerrückerstattung

Überweisung (Riester-Rente)

154,00 EUR

Überweisung (Verbraucher)

247,32 EUR

Summe der Überweisungen

401,32 EUR

In obigem Beispiel liegt der Anspruch auf Steuerrückerstattung (hier: 401,32 EUR) deutlich über dem Zulagenanspruch (hier: 154,00 EUR). Dennoch wird der Riester-Rente die Zulage gutgeschrieben – sie ist jedoch weniger ein staatliches Geschenk, als vielmehr von der Steuerrückerstattung des Verbrauchers abgezogen worden.

Hätte der Verbraucher ein Kind (hier: Nach 2008 geboren), würde die Günstigerprüfung zu folgendem Ergebnis kommen:

 

Günstigerprüfung - Beispiel 2

Zulage

154,00 EUR

Kinderzulage

300,00 EUR

Steuerrückerstattung

401,32 EUR

Ergebnis Günstigerprüfung

Zulage

Überweisung (Riester-Rente)

454,00 EUR

Überweisung (Verbraucher)

0,00 EUR

Summe der Überweisungen

454,00 EUR

In diesem Beispiel übersteigt der Zulagenanspruch die kalkulierte Steuerrückerstattung. Da der Verbraucher jedoch einen generellen Anspruch auf eine Steuerrückerstattung in Höhe von 401,32 EUR hatte, welcher durch den Zulagenanspruch auf 454,00 EUR aufgestockt wurde, sind dem Verbraucher ausschließlich 52,68 EUR geschenkt worden – der Differenzbetrag.

Welche Besonderheiten sollte man sonst noch wissen?

Die Riester-Rente verfügt über einige Besonderheiten. Zu diesen Besonderheiten zählt beispielsweise der sogenannte Hartz-4- oder Insolvenzschutz. Dieser besagt, dass eine Riester-Rente weder bei der Berechnung von Sozialleistungen angerechnet noch gepfändet werden darf.

Verbraucher, die sich bei der Auswahl ihrer Riester-Rente für eine fondsgebundene Rentenversicherung oder einen Fondssparplan entschieden haben, genießen weiterhin eine Nominalwertgarantie. Durch die Nominalwertgarantie sind sämtliche Beiträge und Zulagen vor Verlusten geschützt, die durch Verluste der Wertpapiere entstehen. Dieser Schutz erstreckt sich jedoch nicht auf Gewinne, die innerhalb der fondsgebundenen Rentenversicherung oder des Fondssparplans entstanden sind – hier endet die Nominalwertgarantie.

Weiterhin kann zum Rentenbeginn ein Teilbetrag aus der Riester-Rente entnommen werden. Die Höchstgrenze für die Entnahme beträgt exakt 30 % – das bedeutet, dass die restlichen 70 % zwingend vom Verbraucher als Rente anzufordern sind.

Eine vorzeitige Kündigung der Riester-Rente hat zur Folge, dass sämtliche Zulagen und Steuerrückerstattungen verfallen. Dieser Vorgang wird als sogenannte schädliche Verwendung bezeichnet. In der Regel werden bereits gutgeschriebene Zulagen und geflossene Steuerrückerstattungen bei Kündigung direkt einbehalten.

Wer hingegen in die eigene und selbstbewohnte Immobilie investiert, kann die gesamten Guthaben förderunschädlich verwenden. Das entbindet Verbraucher jedoch nicht von der nachgelagerten Besteuerung. Aus einer Riester-Rente entnommene Guthaben werden bis zum Rentenbeginn mit aktuell 2 % verzinst. Zum Rentenbeginn steht der Verbraucher dann vor der Wahl, 70 % des aufgezinsten Betrags, man spricht vom Wohnförderkonto, sofort oder den gesamten Betrag bis zum 85. Lebensjahr Jahr für Jahr zu versteuern.

Die nachgelagerte Besteuerung greift nicht nur für jene, die in die selbstbewohnte Immobilie investieren, sondern auch für Verbraucher, die auf eine monatliche Rente setzen. Den heutigen Vorteilen aus Zulagen und Steuerrückerstattungen steht somit die Besteuerung der gesamten Riester-Rente gegenüber. Wie sich dieser Effekt konkret auswirkt, habe ich bereits in der Reihe „Lohnt sich die Riester-Rente für: …“ beleuchtet – Links zu sämtlichen Teilen der Serie finden sich am Ende dieses Beitrags.

Verstirbt ein Verbraucher, der zu Lebzeiten eine Riester-Rente bespart hat, so greifen zwei Szenarien: Verstirbt der Verbraucher vor dem Rentenbeginn, so können hinterbliebene Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder, die selbst eine Riester-Rente besparen, das gesamte Guthaben inklusive Zulagen in ihren eigenen Vertrag übertragen lassen (förderunschädlich). Besitzt keiner dieser Hinterbliebenen eine eigene Riester-Rente, so werden die gesamten Guthaben abzüglich Zulagen ausgezahlt (förderschädlich). Tritt der Todesfall während der Rentenphase ein, so zählt der vereinbarte Hinterbliebenenschutz der Riester-Rente. Dieser wird in der Regel zum Zeitpunkt des Abschlusses festgelegt und kann der Police entnommen werden.

Für wen lohnt sich die Riester-Rente?

Der Frage: Für wen lohnt sich die Riester-Rente? habe ich mich in folgenden Beiträgen genähert:

Lohnt sich die Riester-Rente für: Geringverdiener?
Lohnt sich die Riester-Rente für: Normalverdiener?
Lohnt sich die Riester-Rente für: Besserverdiener?
Lohnt sich die Riester-Rente für: Familien?

Schreiben Sie einen Kommentar