Sparkassen: Negativzins nicht ausgeschlossen

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Das anhaltende Niedrigzinsumfeld ist eine Belastungsprobe. Bereits 2014 führte die Deutsche Skatbank deshalb einen Negativzins ein. Damals sprachen Volksbanken und Sparkassen von einem Einzelfall. Doch die Situation hat sich weiter zugespitzt – nun wollen auch Sparkassen einen Negativzins nicht mehr ausschließen.

Sparkassen: Negativzins nicht ausgeschlossen
Negativzinsen gelten als Tabubruch. Die Sparkassen möchte diese Maßnahme jedoch nicht länger ausschließen.

Deutsche Skatbank begang einen Tabubruch

Die Deutschen gelten im europaweiten Vergleich als eher ängstliche Anleger. Geprägt durch die Erfahrungen vergangener Generationen, wird heute mit äußerster Vorsicht über die Ersparnisse gewacht.

Dementsprechend massiv fiel die Kritik aus, als die Deutsche Skatbank einen negativen Zinssatz beschloss. Die Maßnahme, die mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank gerechtfertigt wurde, stellte einen Tabubruch dar. Betroffen waren Anleger, deren Anlagesumme 500.000,- EUR und mehr betrug. In den folgenden Monaten folgten mehr und mehr Banken dann dem Vorbild der Deutschen Skatbank. Volksbanken und Sparkassen schlossen seiner Zeit noch aus, dass diese Geschäftspolitik massentauglich werden könnte.

Sparkassen könnten nun dem Vorbild der Deutschen Skatbank folgen

Bereits seit Monaten üben Banken massive Kritik am Kurs der Europäischen Zentralbank. Diese hat die Branche unlängst mit einem Negativzins belegt.

Die EZB verspricht sich von dieser Maßnahme eine gelockerte Kreditvergabepolitik, die der lahmenden Wirtschaft zu Gute kommen soll. Doch der gewünschte Effekt blieb bislang größtenteils aus. Was bleibt ist eine massive Belastung für Banken. Sie müssen Spareinlagen, die auf der anderen Seite nicht als Kredit vergeben werden konnten, zeitweise bei der EZB parken. Der an dieser Stelle wirkende Negativzins setzt Banken und Sparkassen zunehmend unter Druck. Aus diesem Grund haben die Sparkassen nun erstmals über die Einführung eines Negativzinses für Verbraucher nachgedacht.

Mit diesem Schritt will man verstärkt Druck auf die EZB und ihre Geldpolitik ausüben. Bereits die bloße Diskussion verunsichert schon heute zahlreiche Verbraucher und Kunden der Sparkassen. Zweifelhaft bleibt daher, ob die Sparkassen von einer solchen Maßnahme langfristig profitieren. Kurzfristig dürften damit große Teile der Kundeneinlagen verloren gehen. Die Rückgewinnung dieser Kunden samt ihrer Ersparnisse könnte für die Sparkassen dann eine viel größere Bedrohnung bedeuten, als der gegenwärtige Negativzins.

Mein Tipp: Blicken Sie über den Tellerrand

Kunden von Sparkassen und Volksbanken fürchten, nach den jüngsten Diskussionen, nun den Negativzins. Sie sehen Ersparnisse und Altersvorsorge in akuter Gefahr. Eine solche Gefahr besteht faktisch jedoch nicht.

Die Probleme der Bankenbranche sind weitenteils hausgemacht. Viele Banken und Sparkassen leiden unter dem Wandel der Zeit. Sie halten an einer Geschäftspolitik fest, die zwar über Jahrzehnte funktionierte jedoch heute massive Angriffsfläche für Wettbewerber bietet. So leiden klassische Banken heute unter immensem Kostendruck und der Tatsache, der Digitalisierung einen zu geringen Stellenwert beigemessen zu haben. Der Wettbewerb, insbesondere Direktbanken, hat hingegen seine Chancen genutzt.

Ebendiese Direktbanken veranschaulichen die Problemstellung. Sie können, im Gegensatz zu klassischen Banken, mit bedeutend attraktiverem Zinsniveau am Markt auftreten. Die Konditionierung von Tages-, Festgeld und Krediten steht nämlich keineswegs in direktem Zusammenhang mit der Zinspolitik der EZB. Sie ist in großem Maße von der Kostenstruktur des einzelnen Instituts abhängig.

Für Sie kann sich daher ein Blick über den Tellerrand lohnen. Wählen Sie Ihre Ansprechpartner analog ihrer Qualitäten aus. Suchen Sie eine flächendeckende Versorgung mit Geldautomaten, sind Sparkassen und Volksbanken nahezu konkurrenzlos. Auf der Suche nach attraktiv verzinstem Tages- und Festgeld rücken diese Anbieter immer weiter in den Hintergrund. Hier wurde die Marktführerschaft unlängst an Direktbanken verloren.

Im Zentrum Ihres Finanz-Kosmos sollte somit nicht der eine Ansprechpartner eines einzelnen Instituts stehen. Vielmehr sollten Sie das Zentrum dieses Finanz-Kosmos darstellen – umkreist von ausnahmslos attraktiven Anbietern.

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