Steuerberater versagen bei privater Altersvorsorge

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Riester und Rürup gehören zu den Lieblingen zahlreicher Steuerberater. Die private Altersvorsorge eignet sich vorzüglich, um dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen. Doch nicht selten entsteht aus einem guten Rat ein großer Schaden.

Der Grund: Für Steuerberater ist die private Altersvorsorge vielfach Neuland.

Steuerberater versagen bei privater Altersvorsorge

Steuerberater beleuchten lediglich eine von drei Facetten der privaten Altersvorsorge

Das Jahr 2016 steht bereits vor der Tür. Wer seine Steuerlast noch optimieren möchte, muss sich daher beeilen. Eine bequeme Möglichkeit hierzu ist die private Altersvorsorge. Dies wissen auch Steuerberater, die in diesem Zusammenhang gern auf Riester und Rürup verweisen.

Im Vordergrund der Empfehlung stehen hohe Steuerrückerstattungen bzw. -ersparnisse. Diese erhalten viele Verbraucher bereits für die bloße Besparung. Private Altersvorsorge, zu der neben Riester und Rürup auch die betriebliche Altersvorsorge zählt, ist insbesondere mit steuerlichen Privilegien gesegnet. Sie sorgen dafür, dass der Einkommensteuerbescheid schnell in einem ganz neuen Licht erscheint.

Doch die private Altersvorsorge allein von diesem Standpunkt zu betrachten, ist zu kurz gegriffen. Denn den steuerlichen Vorteilen im Erwerbsleben steht die nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter gegenüber. Aber damit nicht genug, hohe Abschluss- und Verwaltungskosten belasten ebenso wie nachteilige Rentenfaktoren die Bilanz von Riester, Rürup und Co.

Doch was versteckt sich hinter einem nachteiligen Rentenfaktor? Am Rentenfaktor lässt sich ablesen, wie alt ein Verbraucher werden muss, um sein Kapital wieder in Händen zu halten. Wer vor der Auszahlung seines Kapitals verstirbt, hat, so makaber es klingen mag, die Wette verloren. Niedrige Zinsen und eine stetig steigende Lebenserwartung führen zu einem nachteiligen Rentenfaktor – der es Verbrauchern erst im hohen Alter erlaubt, auf die Gewinnerseite zu wechseln.

Rentenfaktor #1
10.000,- EUR – 1,25 % Zinsniveau – 45,- EUR / lebenslange Rente
Kapitalrückzahlung: 21 Jahre

Rentenfaktor #2
10.000,- EUR – 1,25 % Zinsniveau – 30,- EUR / lebenslange Rente
Kapitalrückzahlung: 34 Jahre

Währen Rentenfaktor #1 bereits nach 21 Jahren zur Kapitalrückzahlung führt, verlangt Rentenfaktor #2 Verbrauchern weitere 13 Jahre ab. Addiert man diese Zeiträume auf einen Renteneintritt zum 67. Lebensjahr, ergeben sich Lebenserwartungen von 88 Jahren (Rentenfaktor #1) und 101 Jahren (Rentenfaktor #2). Diese Lebenserwartung sollten Verbraucher anpeilen, möchten sie die investierten Beiträge und Einmalzahlungen jemals wiedersehen. Zu erwähnen ist, dass die momentanen Rentenfaktoren durchschnittlich zwischen 10.000,- EUR zu 32,50 EUR bis 28,50 EUR pendeln.

Als Schlussfolgerung kann gesagt werden, dass heutige steuerliche Vorteile zwar die private Altersvorsorge versüßen. Ob sich dieser Weg als zielführend erweist, ist jedoch von weiteren und schwerwiegenden Faktoren abhängig.

Private Altersvorsorge ist kein Steuersparmodell

Steuerberater betrachten private Altersvorsorge vielfach als eine Art Steuersparmodell. Dieser Blickwinkel wird Riester, Rürup und Co. jedoch alles andere als gerecht.

Im Fokus der privaten Altersvorsorge sollte vielmehr die Versorgungssituation während der Rentenphase stehen. Hier entscheidet sich, ob durch Abschluss, Besparung und Zuzahlung lediglich ein Steuervorteil generiert wurde.

Wer dauerhaft anstatt punktuell profitieren möchte, sollte seine private Altersvorsorge gewissenhafter planen. Eine solche Planung setzt jedoch neben der steuerlichen Komponente die Betrachtung aller Facetten voraus.

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