Steuern: Ausländisches Tages- und Festgeld

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Direktbanken stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Sie bieten für Tages- und Festgeld meist deutlich attraktivere Konditionen als die örtlichen Mitbewerber. Jedoch stammen viele dieser Direktbanken aus dem eurpäischen Ausland. Dann müssen Anleger sich aufmerksam mit den Steuern ihrer ausländischen Geldanlage auseinandersetzen.

Steuern: Ausländisches Tages- und Festgeld
Im Ausland erzielte Zinsen und Zinseszinsen erzeugen regelmäßig, neben der inländischen Abgeltungssteuer, sogenannte Quellensteuer.

Wer nicht aufpasst zahlt doppelt

Hohe Zinsen scheinen Mangelware, zumindest wenn der Blick innerhalb der heimischen und alteingesessenen Bankenlandschaft kreist. Bedeutend attraktiver erscheinen dagegen die zahlreichen Angebote von Direktbanken. Wer sich an den attraktivsten Offerten orientiert, liest zumeist die Namen ausländischer Banken.

Da Sicherheitsbedenken zumeist schnell ausgeräumt werden können, entscheiden sich zahlreiche Anleger für Tages- und Festgeld außerhalb Deutschlands.

Bevor diese Entscheidung jedoch getroffen wird, sind Verbraucher gut beraten, die Besteuerung ihrer Ersparnisse zu prüfen. Diese kann sich andernfalls im Ausland nahezu verdoppeln und so die augenscheinlich attraktiven Zinsen erheblich schmälern. Neben dem deutschen Fiskus kassiert nämlich vielfach auch das Ausland mit.

Doppelbesteuerung frühzeitig entgegenwirken

Anleger sollten zwei Formen von Steuern berücksichtigen. Einerseits die heimische Abgeltungssteuer und andererseits die ausländische Quellensteuer. Die Quellensteuer entfällt in diesem Fall auf die Zinsen und Zinseszinsen der ausländischen Geldanlage. Sie entsteht also direkt an der Quelle. Je nach Staat kann sich diese Quellensteuer auf bis zu 40 % belaufen.

Da im Inland zusätzlich die bekannte Abgeltungssteuer anfällt, drängt sich der Verdacht einer doppelten Besteuerung auf. Um diese zu vermeiden, bestehen sogenannte Doppelbesteuerungsabgekommen. Sie schützen Anleger vor gleichzeitiger Besteuerung im In- und Ausland.

Doppelbesteuerungsabgekommen machen es Anlegern, die sich für Tages- und Festgeld in folgenden Staaten entscheiden, besonders leicht:

Großbritannien
Irland
Island
Kroatien
Luxemburg
Niederlande
Österreich
Rumänien
Slowakei
Tschechien

Sie verzichten, im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens, vollständig auf die Erhebung einer Quellensteuer. Hierzu ist es allerdings nötig, der Bank eine Ansässigkeitsbescheinigung vorzulegen. Mit Hilfe der Ansässigkeitsbescheinigung belegt der Anleger seinen ständigen Aufenthalt innerhalb Deutschlands, was zur Anwendung des Doppelbesteuerungsabkommens führt.

Beantragt werden kann die Ansässigkeitsbescheinigung beim zuständigen Finanzamt. Diese sollte der Bank rund drei Monate, im Vorfeld einer Zinszahlung, zugehen.

In einigen europäischen Staaten können Anleger sogar auf diese Ansässigkeitsbescheinigung verzichten:

Dänemark
Estland
Finnland
Frankreich
Malta
Schweden
Slowenien
Spanien
Ungarn
Zypern

Vorgenannte Staaten verzichten generell auf die Besteuerung von Zinsen und Zinseszinsen. Anleger müssen diese dennoch im Inland und im Rahmen der Steuererklärung versteuern.

Quellensteuer kann Zinsen schmälern

Doch nicht immer können Anleger die ausländische Quellensteuer abwenden. In manchen Fällen kann sie dann sogar die augenscheinlich attraktiven Direktbankangebote nachträglich verschlechtern.

Belgien | 15 % Quellensteuer (15 %)
Bulgarien | 5 % Quellensteuer (0 %)
Griechenland | 10 % Quellensteuer (10 %)
Italien | 10 % Quellensteuer (10 %)
Lettland | 10 % Quellensteuer (10 %)
Litauen | 10 % Quellensteuer (10 %)
Polen | 5 % Quellensteuer (5 %)
Portugal | 15 % Quellensteuer (15 %)
X % – Quellensteuer nach Ansässigkeitsbescheinigung | (X %) – anrechenbar auf Abgeltungssteuer

Diese Staaten behalten trotz Doppelbesteuerungsabkommen Quellensteuer ein. Anleger können die Höhe zwar mit Hilfe einer Ansässigkeitsbescheinigung drücken, dennoch fallen bis zu 15 % Quellensteuer an.

So abgeführte Quellensteuer wird dann im Rahmen der Einkommensteuererklärung verrechnet. Zur Verrechnung steht allerdings nur im selben Jahr angefallene Abgeltungssteuer zur Debatte. Ist diese jedoch nicht angefallen, bleibt der Anleger auf der gezahlten Quellensteuer sitzen. Selbst ein Freistellungsauftrag, der unausgeschöpft blieb, ändert an dieser Tatsache nichts.

In diesem Fall müssen Anleger den gebotenen Zins um die anfallende Quellensteuer mindern. So können aus ursprünglichen 1,5 %, nach Abzug von 15 % Quellensteuer, effektive 1,28 % werden.

Mein Tipp: Sicherheit bleibt wichtigster Faktor

Es gehört zum erklärten Volkssport, Steuern zu sparen. Neben dieser Facette sollte jedoch, insbesondere bei Geldanlagen, das Thema Sicherheit nicht aus den Augen verloren werden.

Als Anleger sollten Sie daher immer zuerst die Anlage auf Herz und Nieren prüfen und erst dann die steuerlichen Rahmenbedingungen. Denn was nützt ein steueroptimierte Anlage, wenn am Ende Teile Ihrer Ersparnisse verloren sind.

Dieses Risiko ist zwar bei Tages- und Festgeld bedeutend geringer, als bei einschlägigen Wertpapieren. Dennoch gibt es Unterschiede, die Sie als Anleger kennen und berücksichtigen sollten. Dies ist beispielsweise die Bonität, mit der ein Staat hinter der obligatorischen Einlagensicherung steht. Die Einlagensicherung stellt nämlich Netz und doppelten Boden für Sie dar. Sie soll, im Falle einer Bankenpleite, bis zu 100.000,- EUR pro Anleger garantieren. Damit ist sie auch den Richtwert, wie viel pro Anleger und Bank im Maximum angelegt werden sollten – 100.000,- EUR.

Eine entsprechend gute Bonität wird folgenden Staaten attestiert:

Belgien | 15 % Quellensteuer (15 %)
Dänemark | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Deutschland | –
Estland | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Finnland | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Frankreich | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Großbritannien | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
Lettland | 10 % Quellensteuer (10 %)
Luxemburg | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
Malta | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Niederlande | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
Österreich | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
Polen | 5 % Quellensteuer (5 %)
Schweden | 0 % Quellensteuer (Grundsätzlich)
Slowakei | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
Tschechien | 0 % Quellensteuer (Ansässigkeitsbescheinigung)
X % – Quellensteuer nach Ansässigkeitsbescheinigung | (X %) – anrechenbar auf Abgeltungssteuer

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