Versicherungen beerdigen den Garantiezins

Aktuell, Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge, Privat-Rente, Riester-Rente, Rürup-Rente

Des Deutschen liebstes Kind ist, neben dem Auto, vermutlich die kapitalbildende Lebensversicherung. Diese hat in den vergangenen Jahren jedoch verstärkt für Unmut gesorgt. Stetig sinkende Überschussbeteiligungen und das Lebensversicherungsreformgesetz hatten für viele Verbraucher massive Einschnitte bei der Altersvorsorge zur Folge. Nun rücken einige Versicherer dem Garantiezins zu Leibe.

Verkaufsargumente sind keine Garantien

Mit Speck fängt man Mäuse – mit großen Zahlen fängt man die Mäuse von Verbrauchern. Ging es um den Verkauf einer kapitalbildenden Lebensversicherung, hielten diese großen Zahlen regelmäßig Einzug in Verkaufsgespräche.

Der Vertreter, der seinem Gegenüber die größte Summe vor Augen hielt, hatte beste Chancen auf einen Abschluss. Was viele Verbraucher zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Beworben wurde durch den Vertreter keinesfalls eine Garantie, sondern lediglich eine Prognose.

Um diese Prognosen zu erreichen, müssen Versicherungen jedoch Überschüsse erwirtschaften und ausschütten. Das seit 2008 stetig gesunkene Zinsniveau erschwert es Versicherungen zusehends, diese Überschüsse zu erzielen.

Eine kapitalbildende Lebensversicherung besitzt drei Töpfe:

  • Der erste Topf – Dieser Topf beherbergt Ihre Garantie! Ihre monatlichen Beiträge werden eingezogen und verwaltet. In diesem Topf wirken sowohl der Garantiezins als auch die Abschluss- und Verwaltungskosten der kapitalbildenden Lebensversicherung. Die Entwicklung des ersten Topfes drückt die Versicherung in Form der Garantie aus – der garantierten Rente oder garantierten Kapitalabfindung.
  • Der zweite Topf – Erwirtschaftet die Versicherung mehr, als Ihnen garantiert wurde, entstehen Überschüsse. Diese Überschüsse werden im zweiten Topf geparkt. Die Höhe der Überschüsse sind vom Zinsniveau abhängig und in der Mindestzuführungsverordnung gesetzlich geregelt. Sie sind jedoch, anders als im ersten Topf, nicht garantiert.
  • Der dritte Topf – Hier werden sogenannte Bewertungsreserven ausgewiesen. Arbeitet eine kapitalbildende Lebensversicherung beispielsweise mit Staatsanleihen, um ihren ersten und zweiten Topf zu füllen, können Bewertungsreserven entstehen. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Staatsanleihen sich einer besonders hohen Nachfrage erfreuen. Bietet ein Interessent der Versicherung einen Aufschlag an, um in den Besitz der Staatsanleihe zu kommen, stellt dieser Aufschlag die Bewertungsreserve dar. Geht die Versicherung auf das Angebot des Interessenten ein, wurden die Bewertungsreserven realisiert – jedoch steht man vor dem Problem, eine neue attraktive Staatsanleihe ausfindig machen zu müssen.

Ein Frontalangriff auf Bewertungsreserven: Das Lebensversicherungsreformgesetz

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz, welches am 07.08.2014 in Kraft getreten ist, kamen auf Verbraucher zahlreiche Neuerungen zu. Am drastischsten waren diese an den Bewertungsreserven abzulesen. Für viele Verbraucher bedeutete dies, dass Bewertungsreserven deutlich nach unten korrigiert oder sogar auf Null gesetzt wurden.

Ob sich Versicherungen bei der Berechnung von Bewertungsreserven korrekt verhalten, bleibt tragischerweise unbeantwortet. Mangelnde Transparenz ermöglicht bis dato keine zuverlässige Kontrolle.

Wer nun hofft, sich auf den Bestandsschutz eines Altvertrages berufen zu können, muss auch enttäuscht werden. Da kapitalbildende Lebensversicherungen in diesen Punkten keine vertraglichen Zusicherungen treffen, gilt grundsätzlich die vorherrschende Rechtsprechung.

Nun fällt die letzte Bastion: Der Garantiezins

Vorgenannt wurden bereits gute Gründe gegen kapitalbildende Lebensversicherungen – insbesondere gegen den Neuabschluss.

Wie bekannt gegeben wurde, hat der ERGO-, Generali- und Talanx-Konzern das Ende des Garantiezinses verkündet. Zu letzterem gehört beispielsweise die HDI-Gerling.

Anders als beim Lebensversicherungsreformgesetz, greift diese Änderung ausschließlich beim Neuabschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung. Diese haben ohnehin an Attraktivität eingebüßt, wurde doch der Garantiezins zum Jahresbeginn erneut gesenkt:

Garantiezinsen nach Jahren
von
bis
Garantiezins
01/194206/19863,00 %
07/198606/19943,50 %
07/199406/20004,00 %
07/200012/20033,25 %
01/200412/20062,75 %
01/200712/20112,25 %
01/201212/20141,75 %
01/20151,25 %

Die zinsseitige Entwicklung von kapitalbildenden Lebensversicherungen wird damit erneut zu einer Prognose.

Der Neuabschluss ist und bleibt unattraktiv

Altersvorsorge mittels kapitalbildenden Versicherungen steht in Deutschland hoch im Kurs. Fakt bleibt, dass Riester, betriebliche Altersvorsorge, Rürup und die thematisierten Rentenversicherungen bzw. kapitalbildenden Lebensversicherungen Nischen bedienen. Eine Volks-Altersvorsorge, zu der man beispielsweise die Riester-Rente pushen wollte, gibt es demnach nicht.

Wie sich beispielsweise eine der leistungsfähigsten Riester-Renten bei einem Gering-, Normal- und Besserverdiener bzw. einer Familie verhält, wurde bereits in der Serie „Lohnt sich die Riester-Rente für: …“ beleuchtet. Im Ergebnis war es lediglich eine Personengruppe, die spürbar von der Riester-Rente profitierte. Zu wenig für eine Volks-Altersvorsorge.

Nützliche Links:
Lohnt sich die Riester-Rente für: Geringverdiener
Lohnt sich die Riester-Rente für: Normalverdiener
Lohnt sich die Riester-Rente für: Besserverdiener
Lohnt sich die Riester-Rente für: Familien

Auch die Rentenversicherungen und kapitalbildenden Lebensversicherungen bilden hier keine Ausnahme. Wie die Aufschlüsslung der drei Töpfe offenlegt, vollführen Versicherungen keine Zauberkunststücke. Das Ergebnis, das Rentenversicherungen und kapitalbildende Lebensversicherungen erzeugen, fällt dementsprechend ernüchternd aus. Die Abschaffung des Garantiezinses ist lediglich ein weiterer Punkt auf der langen Seite mit Argumenten, die gegen einen Neuabschluss sprechen.

Verbraucher sind gut beraten, im Hinblick auf ihre Altersvorsorge, den Blick über den Tellerrand zu wagen!

Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe haben traditionell kein Interesse daran, Ihren Blick über diesen Tellerrand hinausgehen zu lassen. Denn zwischen Riester, betrieblicher Altersvorsorge, Rürup und Rentenversicherung bzw. kapitalbildenden Lebensversicherungen locken hohe Provisionen und Rückvergütungen.

Verbraucher sollten daher auf unabhängige Anlaufstellen setzen. Diese finden sich beispielsweise in den Verbraucherzentralen.

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