Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld bei Direktbanken?

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Die Suche nach attraktiv verzinsten Geldanlagen endet vielfach bei Direktbanken. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: In zahlreichen Filialen örtlicher Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken werden aktuell nur unbefriedigende Angebote abgegeben. Tagesgeld und Festgeld rangiert hier nicht selten unterhalb des Inflationsniveaus. Viele Verbraucher stellen sich jedoch die Frage, ob die deutlich attraktiveren Angebote der Direktbanken ebenso sicher sind, wie die ihrer örtlichen Mitbewerber.

Statistik: Anteil der Nutzer von Online-Banking in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2014 | StatistaWie sicher sind Telefon- und Online-Banking?

Wer mit einer Direktbank zusammenarbeiten möchte, findet in den seltensten Fällen eine Filiale in seiner Umgebung. Verbraucher müssen sich daher entscheiden, ob sie auf Telefon- oder Online-Banking setzen.

Dies dürfte jedoch die wenigsten vor ernste Herausforderungen stellen. Laut einer Studie des Bundesverband deutscher Banken nutzten im Jahr 2014 bereits mehr als die Hälfte aller Befragten Online-Banking für ihre Bankgeschäfte.

Neulinge, die bislang keine Berührungspunkte mit Telefon- und Online-Banking hatten, sollten folgende Regeln beachten:

Unabhängig davon, für welche Lösung man sich entscheidet, sollten inbesondere die Zugangsdaten besondere Aufmerksamkeit genießen. Wer Telefon-Banking nutzt, sollte diese Daten unter keinen Umständen in der Nähe des Telefons aufbewahren und außerdem darauf achten, dass ausreichend sichere Benutzernamen und Passwörter vergeben werden können (Hinweis vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): So wählen Sie ein sicheres Passwort aus). Dieser Punkt gilt gleichermaßen für die Nutzer von Online-Banking. Hier ist weiterhin darauf zu achten, dass Benutzername und Passwort nicht auf dem Rechner gespeichert werden sollten.

Um eine Transaktion durchführen zu können, ist in beiden Fällen eine sogenannte Transaktionsnummer notwendig. Nutzer von Telefon-Banking sollten darauf bestehen, dass jede einzelne Transaktion durch eine solche Nummer abgesichert ist. Auch sollten mit diesen Transaktionsnummern immer sorgfältig umgegangen werden. Das bedeutet insbesondere, dass diese nicht an Dritte (Bsp.: Per Telefon/Mail), weitergegeben werden.

Zusätzlich sollten Verbraucher, die Online-Banking nutzen, darauf achten, dass dies immer über eine gesicherte Leitung stattfindet. Dies ist in der sogenannten Adresszeile zu erkennen, die je nach verwendetem Browser gelb unterlegt wird, ein Schloss-Symbol anzeigt oder aber mit https:// statt http:// beginnt. Drahtlose Netzwerke (kurz: WLAN) sollten mit dem aktuellsten Sicherheitsstandard verschlüsselt sein – aktuell: WPA2.

Auch empfiehlt es sich, Telefon- und Online-Banking in vertrauter Umgebung mit bekannten Geräten (Telefon, Handy, PC, Laptop, Tablet und Smartphone) zu machen. Eine der wenigen verbliebenen Telefonzellen oder Internet-Cafés sind denkbar ungeeignet.

Eine zusätzliche Sicherheit bieten Tagesgeld, Festgeld und Depots. Diese Konten erfordern bei der Eröffnung die Angabe eines Verrechnungskontos. Dieses Verrechnungskonto ist ab diesem Zeitpunkt das einzige Konto, auf das Gelder überwiesen werden können. Hierfür empfiehlt sich beispielsweise das Girokonto.

Wie sicher sind Direktbanken?

Grundsätzlich liegt die Beaufsichtigung von Banken und Direktbanken in der Verantwortung jedes einzelnen Staates. Hier gelten für Direktbanken dieselben Bestimmungen wie für alle anderen Banken.

Die Stabilität deutscher Institute wird in erster Linie durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz: BaFin) kontrolliert. Ab einer Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro spricht man von einer Systemrelevanz, was die Europäische Zentralbank als zusätzliches Aufsichtsorgan europaweit auf den Plan ruft. Banken, die keine Bilanzsumme in dieser Größenordnung ausweisen, können dennoch der Kontrolle der Europäischen Zentralbank unterstehen – dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie zu den drei größten Banken eines Staates gehören.

Banken und Direktbanken müssen sich damit auf eine engmaschige Beaufsichtigung einstellen. Doch gerade diese Beaufsichtigung sorgt gegenüber dem Verbraucher für eine größtmögliche Sicherheit.

Bankenrettung statt Insolvenz.

Im Zuge der Finanz- und Bankenkrise um 2008 gerieten zahlreiche Banken weltweit in Schieflage. Ausgerechnet der berühmteste Fall endete mit einer weitreichenden Insolvenz: Lehman Brothers.

Während in den USA bis heute über 500 Banken abgewickelt wurden, sind europäische Geldhäuser aufwendig gerettet worden. Die Rettung des berühmtesten deutschen Instituts, der Hypo Real Estate, hat über 19 Milliarden Euro verschlungen. Doch der finanzielle Aufwand hat Früchte getragen, das Nachfolgeinstitut der Hypo Real Estate bestand in 2014 den durch die Europäische Zentralbank vorgenommenen Banken-Stresstest.

Den Steuerzahler kam die Bankenrettung bis heute teuer zu stehen – für Anleger stellte diese Tatsache eine zusätzliche Sicherheit dar.

Was bedeutet die EU-Einlagensicherung?

Die Absicherung gegen eine Insolvenz heißt: EU-Einlagensicherung. Seit ihrer Einführung wurde die EU-Einlagensicherung regelmäßig erweitert. Aktuell wird im Insolvenzfall eine einheitliche Absicherung von bis zu 100.000,- EUR garantiert. Diese gilt pro Kunde und Bank! Umfasst werden sämtliche Einlagen, zu denen beispielsweise Guthaben auf Girokonten, Tagesgeld und Festgeld zählen.

Wertpapiere wie Geldmarktfonds, Investmentfonds oder Aktien werden durch die EU-Einlagensicherung hingegen nicht geschützt.

Sollte es zu einem sogenannten Flächenbrand kommen, der zahlreiche Banken eines Landes in die Knie zwingt, haftet in der letzten Instanz immer das betroffene Land für die EU-Einlagensicherung. Verbraucher sind, insbesondere bei längerfristigen Anlagen, gut beraten, einen Blick auf die Bonität der Staaten zu werfen, in denen sie planen anzulegen (in meinem Tages- und Festgeld-Vergleich wird dieses Kriterium bereits berücksichtigt).

 Standard & Poor'sMoody's
DeutschlandAAAAaa
GroßbritannienAAAAa1
LuxemburgAAAAaa
NiederlandeAA+Aaa
FinnlandAA+Aaa
ÖsterreichAA+Aaa
FrankreichAAAa1
BelgienAAAa3
Stand: 08/2015

Auch in diesem Punkt wird nicht zwischen einer klassischen Bank und einer Direktbank unterschieden. Einzige Ausnahme bilden Sparkassen und Volksbanken, die im sogenannten verbundinternen Haftungssystem arbeiten. Dies bedeutet, dass eine angeschlagene Sparkasse oder Volksbank durch andere Sparkassen oder Volksbanken gestützt wird.

Das Fazit:

Direktbanken stehen klassischen Banken in puncto Sicherheit in nichts nach. Dafür sorgen einerseits standardisierte Bankenaufsichten, wie durch die Europäische Zentralbank, und andererseits die EU-Einlagensicherung.

Zudem punkten Direktbanken zusätzlich mit einem nicht unwesentlichen Kriterium: Attraktive Angebote für Tagesgeld und Festgeld!

Verbraucher sollten vor dem Abschluss jedoch einige Punkte beachten:

Der Abschluss eines Tagesgeld oder Festgeld sollte keine weiteren Produktabschlüsse voraussetzen. Angebote, die beispielsweise an den Abschluss eines Girokontos gebunden sind, dürfen als unseriös bezeichnet werden.

Für Tagesgeld und Festgeld dürfen keine Gebühren anfallen! Angebote, die Kontoführungsgebühren oder sonstige Kosten vorsehen, sollten kritisch betrachtet werden. Sämtliche Kosten eines Angebots fressen einen Teil der Verzinsung auf.

Sogenannte Neukundenangebote sind ein netter Bonus. Sie sorgen über mehrere Monate für eine höhere Verzinsung! Verbraucher sollten jedoch zusätzlich einen Blick auf die Normalkondition werfen. Diese schließt sich in der Regel nach einem bis sechs Monaten an und sollte immer noch attraktiv sein.

Klassische Banken reagieren teils rechtswidrig, wenn Verbraucher Gelder an Direktbanken überweisen wollen. Nicht selten wird Verbrauchern durch Unwahrheiten der Wechsel versucht auszureden. In diesen Fällen sollte umgehend die Wettbewerbszentrale eingeschaltet werden – Verbraucher sollten sich nicht verunsichern lassen und auf die Ausführung ihrer Überweisungsaufträge bestehen!

Hier gelangen Sie zum: Tagesgeld-Vergleich!

Hier gelangen Sie zum: Festgeld-Vergleich!

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